Die Frhzeit des Menschen by Friedemann Schrenk;

Die Frhzeit des Menschen by Friedemann Schrenk;

Autor:Friedemann Schrenk;
Format: epub
Tags: Vor- und Frühgeschichte, Antike
ISBN: 9783406736018
Herausgeber: Verlag C.H. Beck
veröffentlicht: 2019-02-07T00:00:00+00:00


Herausforderung Klimawandel: Die kulturelle Lösung

Es ist unmöglich, das Puzzlespiel um die Anfänge der Gattung Mensch aufgrund von Skelettmerkmalen zu lösen. Daher soll uns ein klimageographisches Szenario (Abb. 8) helfen, das den Lebensraum der Homininen und dessen ökologische Entwicklung einbezieht. Während der Entstehung der Nussknackermenschen (S. 59f.), vor ca. 2,8 bis 2,5 Millionen Jahren, lebten die Vormenschen etwa 15.000 Generationen lang in zunehmend extremeren Klima- und Umweltverhältnissen, die zu einer tiefgreifenden Änderung der Nahrungsgrundlagen führten. In diesem Zeitraum entstand auch die Gattung Homo. Aus der Gleichzeitigkeit der Ereignisse (vgl. Abb. 7) kann der Schluss gezogen werden, dass es zur Entwicklung eines hyperrobusten Kauapparates eine Alternative gab, die ebenfalls dazu geeignet war, die bei steigender Trockenheit zunehmend härtere Nahrung zu zerkleinern. Diese Alternative war der Beginn der Werkzeugkultur.

Werkzeuge im Sinne von Hilfsmitteln sind zwar im Tierreich und vor allem bei den höheren Primaten weit verbreitet. Ebenso zeigen 3,3 Millionen Jahre sehr ursprüngliche bearbeitete Artefakte aus Lomekwi, Kenia (Abb. 5), und ebenso alte Schnittspuren an Knochen aus Dikika, Äthiopien (Abb. 5), dass bereits Vormenschen mit Steinen experimentierten. Jedoch war es unter dem Druck der einschneidenden Habitatveränderungen seit 2,8 Millionen Jahren nicht nur die Fähigkeit der Homininen zu kulturellem Verhalten, sondern vor allem die Weitergabe und das Lernen über die Verwendung der Werkzeuge über die gesamte Population hinweg, das die Gattung Homo entstehen ließ.

Etwas östlich der Homininenfundstellen von Hadar in Äthiopien, bei Gona (Abb. 5), wurden bereits 1977 sehr ursprüngliche Geröllwerkzeuge (Pebble tools) vom Oldowan-Typ (S. 92) entdeckt, die ca. 2,6 Millionen Jahre alt sind. Entsprechende Funde am Westufer des Turkana-Sees (Abb. 5) bestätigen, dass spätestens vor ca. 2,8 Millionen Jahren die ersten Werkzeugkulturen etabliert waren – zeitgleich mit der Entstehung der Gattung Homo (Homo rudolfensis). Die überlieferten Geröllgeräte (Pebble tools) sind von natürlich entstandenen Geröllen kaum zu unterscheiden. Am Anfang dürfte es sich um äußerlich unveränderte Steine gehandelt haben, deren äußere Form allerdings diese den Nutzern geeignet erscheinen ließ, sie gezielt zum Öffnen hartschaliger pflanzlicher Nahrung zu verwenden.

Der große Vorteil der Gattung Homo war die Beibehaltung eines eher unspezialisierten und daher viele Entwicklungsmöglichkeiten bietenden Körperbaus in Kombination mit einer kulturellen Spezialisierung. Die Benutzung von Steinwerkzeugen zum Hämmern harter Nahrung brachte bald Vorteile in unvorstellbarem Ausmaß: Zufällig entstehende scharfkantige Abschläge wurden als Schneidewerkzeuge eingesetzt. Dies revolutionierte die Fleischbearbeitung und die Zerlegung der Beutekadaver. Die Anpassung von Homo rudolfensis an die Klima- und Habitatveränderungen ging einher mit der Entwicklung eines größeren und leistungsfähigeren Gehirns. Hierbei vollzog sich ein Wechsel zur Aufnahme einer weniger abriebstarken Nahrung mit zunehmender Tendenz zu einer omnivoren (allesfressenden) Ernährungsweise.

Die beginnende Werkzeugkultur überdeckte die Auswirkungen des Klimawechsels bis zu dem Punkt, als Homo rudolfensis andere Nahrungsquellen besser als jede andere Homininenart jemals zuvor nutzen konnte. So gewannen die Urmenschen durch den systematischen Einsatz von Steinen zur Zerkleinerung der harten Pflanzennahrung einen unermesslichen Vorteil gegenüber allen anderen Homininen: eine langsam zunehmende Unabhängigkeit von direkten Umwelteinflüssen. Obwohl «typisch menschliches» Verhalten wie Bewusstsein, Kunst oder Musik nicht einmal in Anfängen nachweisbar ist, wird hiermit der Beginn der Gattung Homo verknüpft. Die zunehmende Unabhängigkeit vom Lebensraum



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